Ist ‚small‘ tatsächlich immer ‚beautiful‘?

von Dieter Janecek:

Bereits zum dritten Mal in diesem Jahr gibt es einen – erst über die Medien, dann an die Basis – adressierten Vorstoß “Grüner Linker” zur Ausrichtung grüner Wirtschaftspolitik. Erst Brugger, dann Zion, jetzt Andresen. Als Beitrag zur Grünen Debatte ist das durchaus eine Bereicherung. Aber in mindestens einem zentralen Punkt würde ich frei nach Joschka Fischer anmerken wollen: Leute, I’m not convinced.

Nachhaltige Investitionen statt blinder Sparpolitik. Öko-Sozialer Umbau der Wirtschaft. Klare Ansagen gegenüber Konzernen, deren Geschäftsmodell dem Ansatz des nachhaltigen Wirtschaftens widersprechen. Wer könnte dem widersprechen? Viele Punkte der „9 Thesen für eine Wirtschaft, die dem Menschen dient“ sind prinzipiell zustimmungsfähig. Sprache und Duktus hingegen sind eher abschreckend, mit Freund-Feind-Denken schafft man keine Begeisterung für den Aufbruch in die Grüne Ökonomie. Nun wollen unsere Freund*innen vom Kreis der “Grünen Linken” also den “Mega-Unternehmen” den Kampf ansagen? Volle Breitseite gegen BMW, Siemens, Schaeffler & Co. also? Oder wer ist jetzt gemeint?

Anders gefragt: Was hat die Größe eines Unternehmens eigentlich mit der Frage zu tun, ob es nachhaltig und verantwortungsvoll wirtschaftet? Vielleicht sollten wir uns hier mal ehrlich machen.

Konzerne aus dem Dax 30, große und international agierende Unternehmen, der große Mittelstand – das sind Unternehmen, die in der Regel überdurchschnittlich gute Löhne und Gehälter bieten. Dort gibt es meist gut organisierte Betriebsräte und eine funktionierende Mitarbeiter*innenvertretung. Dadurch sind dort mit weit höherer Wahrscheinlichkeit Dinge wie Diversity-Management, Führungskräfteentwicklung für Frauen, eine interne Anti-Diskriminierungspolicy, Betriebskitas, ein betriebliches Gesundheitsmanagement, Betriebsvereinbarungen zu Arbeitszeitregelungen und Überstunden, betriebliche Weiterbildung, eine gute betriebliche Altersvorsorge und manches mehr etabliert, was man sich von einem guten Arbeitgeber wünscht.

Monopolstrukturen müssen wir bekämpfen – dafür haben wir ein Wettbewerbsrecht. Über dessen Verschärfung ließe sich durchaus diskutieren. Im Kampf gegen Lobbyismus helfen Transparenzpflichten und Karenzzeiten beim Wechsel von der Politik in die Vorstandsetage.

Natürlich gibt es Großkonzerne, die und deren Geschäftsmodelle nicht zukunftsfähig sind. Kohle, Atom und Öl zum Beispiel. Aber ist die Unternehmensgröße wirklich so entscheidend für den Wandel der Wirtschaft? Der Deutsche Bauernverband vertritt rund 300.000 Landwirte und Landwirtinnen. Trotz der industriellen Dimension der Tiermast – das sind in der Regel eher recht kleine wirtschaftliche Einheiten, sicher keine Mega-Konzerne, eher Familienunternehmen. Und wie ökologisch-sozial progressiv ist der Bauernverband? Da wirtschaftet so manches Großunternehmen nachhaltiger und verträglicher.

Nein, die Größe kann nicht das zentrale Argument sein. Entscheidend sind nachhaltige Geschäftsmodelle sowie Fähigkeit und Bereitschaft, ein Unternehmen weiterzuentwickeln.

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