Gute Arbeit in der Region

Positionspapier von Brigitte Pothmer

Wir Grüne fordern einen inklusiven Arbeitsmarkt, der niemanden ausgrenzt und Gerechtigkeit, Teilhabe und Aufstiegsmobilität schafft. Gute Arbeit ist von zentraler Bedeutung für soziale Teilhabe und finanzielle Autonomie. Sie bietet Einkommen, Sicherheit, Herausforderung und Anerkennung. Zudem ist sie eine entscheidende Quelle für die Finanzierung des Sozialstaats.

Gute Arbeit bereichert aber nicht nur das Leben des Einzelnen; in und für die Region angebotene Dienstleistungen und Produkte sowie regionale Wertschöpfungsketten können auch einen Beitrag für ein funktionierendes Gemeinwesen und gesellschaftlichen Zusammenhalt leisten.

Der deutsche Arbeitsmarkt ist zunehmend durch eine doppelte Spaltung gekennzeichnet. Sie vollzieht sich zum einen zwischen Erwerbstätigen und Erwerbslosen. Daneben gibt es eine weitere Spaltung zwischen regulär und prekär Beschäftigten.

Um daran etwas zu ändern, sind bessere Zugängen in Arbeit notwendig; prekäre Beschäftigungsverhältnisse müssen zurückgedrängt werden. Wir fordern daher gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit nicht nur für Stammbelegschaften und Leiharbeitskräfte, sondern auch für Frauen und Männer und für Einheimische und Zugewanderte. Von einer grünen Arbeitsmarktstrategie, die auf Teilhabe und Gerechtigkeit setzt, profitieren insbesondere Frauen, die nach wie vor bei der Entlohnung und beim beruflichen Aufstieg weit abgehängt sind. Zudem werden darüber auch MigrantInnen und Menschen mit Behinderungen besser in den Arbeitsmarkt integriert.

Viele der nichtindustriellen regional angebotenen Jobs im Handel, in der Gastronomie, in der Pflege oder auch in der Kinderbetreuung sind schlecht bezahlt und oft prekär. Auf ihnen arbeiten vor allem Frauen. Mit einem gesetzlichen Mindestlohn, allgemeinverbindlich erklärten Tarifverträgen, einer Eingrenzung von Befristungen und einer Reform der Minijobs wollen wir ihre Arbeitsbedingungen verbessern und das Einkommensniveau anheben. Dies nützt nicht nur den Betroffenen, sondern stärkt auch den regionalen Wirtschaftskreislauf.

Zukunftsinvestitionen schaffen Arbeitsplätze vor Ort

Wir Grüne investieren in die Zukunft. Durch unsere Programme zur Gebäudesanierung und zur Energiewende entstehen neue Arbeitsplätze in den Regionen und die örtliche Wertschöpfung steigt. Allein im Bereich der Wohnraumsanierung wird darüber ein starker Investitionsschub auslöst, in dessen Folge mehr als 250.000 neue Jobs entstehen werden. Davon profitiert insbesondere das örtliche Handwerk.
Aber auch die grünen Konzepte für gute Kitas, gute Schulen und gute Pflege führen zu einer wachsenden Arbeitskräftenachfrage in den Kommunen. So werden beispielsweise für die Umsetzung des Rechtsanspruchs auf einen Kitaplatz für Kinder ab dem vollendeten ersten Lebensjahr gekoppelt mit einem verbesserten Personalschlüssel und einer höheren Betreuungsquote auch für Drei- und Vierjährige bis zu 85.000 zusätzliche Fachkräfte in der Kinderbetreuung benötigt. Dies bedeutet 85.000 neue Beschäftigungschancen.

Integration in den lokalen Arbeitsmarkt – Fachkräftepotential heben

Mit einer inklusiven Arbeitsmarktstrategie, die an den unterschiedlichen Stärken und Qualifikationen der Menschen vor Ort anknüpft und die Arbeitslose nicht abkoppelt, sondern ihre Fähigkeiten berücksichtigt und ihre Rechte stärkt, können neue Fachkräfte gewonnen werden. Darüber werden nicht nur dem Einzelnen neue berufliche Chancen eröffnet; dies führt auch dazu, dass die in den jeweiligen Regionen angebotenen Stellen mit geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern besetzt werden können.
Um dies zukünftig zu gewährleisten, wollen wir die Jobcenter und die Arbeitsagenturen zu exzellenten Service-Büros aus- bzw. umbauen. Dort sollen sowohl den Arbeitslosen als auch denjenigen, die eine Aus- oder Weiterbildung beginnen oder den Arbeitsplatz wechseln wollen, mit Hilfe passgenauer Unterstützung, Qualifizierung und Vermittlung neue Perspektiven auf den lokalen Arbeitsmärkten eröffnet werden. Zudem wollen wir mit unserem Konzept „Dual Plus“ die Leistungsfähigkeit des regionalen Ausbildungssektors stärken.

Ein Sozialer Arbeitsmarkt bietet Teilhabe und bereichert das örtliche Leben

Nicht alle Arbeitslosen werden in absehbarer Zeit einen Job auf dem ersten Arbeitsmarkt finden. Auch für sie wollen wir Teilhabe an und durch Arbeit mittels eines verlässlichen Sozialen Arbeitsmarkt ermöglichen. Dabei geht es um sinnstiftende Tätigkeiten, die auf Basis eines lokalen Konsenses identifiziert werden. Neben den Städten und Gemeinden selbst können auch Sozialverbände oder lokale Bürgerbündnisse als Arbeitgeber Jobs auf dem Sozialen Arbeitsmarkt anbieten. Die Erfüllung der damit verbundenen Aufgaben ist von hohem Nutzen, nicht nur für die dort Beschäftigten, sondern für alle Bürgerinnen und Bürger in der Region, die maßgeblich davon profitieren.

Gründungen und kleine und mittlere Unternehmen stärken die regionale Wirtschaft

Gründerinnen und Gründer schaffen oft nicht nur für sich selbst berufliche Perspektiven, sondern auch für andere. Etwa ein Drittel der mit einem Gründungszuschuss geförderten Selbstständigen ist auch Arbeitgeber und schafft bis zu 2,8 Stellen. Dies kommt dem regionalen Arbeitsmarkt zu Gute. Wir wollen daher die Gründungsförderung ausbauen und Selbstständige besser sozial absichern.
Kleine und mittlere Unternehmen entfalten eine hohe Beschäftigungsdynamik und stärken die regionale Wirtschaft. Wir wollen daher die Wettbewerbsbedingungen für den Mittelstand verbessern, die Forschungsförderung ausbauen, Hochschulen als regionale Jobmotoren stärken und Bürokratie abbauen.

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